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Sonntag, 20. Januar 2019

Nachrichtenarchiv

Außergewöhnliche Übung von Feuerwehr und Katastrophenschutz

Eine nicht alltägliche Übung an einem sehr interessanten Objekt führte die Feuerwehr Babenhausen zusammen mit Katastrophenschutz-Einheiten aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg durch. Im Altbau der Joachim-Schumann-Schule, der seit einigen Wochen für den Abriss vorbereitet wird, konnten verschiedene, teils herausfordernde Szenarien vorbereitet werden.

Einsatzablauf


Bereits seit einigen Tagen herrscht in Hessen eine extreme Hochwasserlage, der Landrat hat den Katastrophenfall festgestellt, dementsprechend wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Während der Eindämmung der Flutfolgen kommt es zu einem Folgeeinsatz: Gegen 9.00 Uhr löst die Brandmeldeanlage der Joachim-Schumann-Schule einen Alarm aus
. Von der Leitstelle Darmstadt-Dieburg wird daraufhin die zuständige Freiwillige Feuerwehr Babenhausen alarmiert.

Angenommen wird, dass sich bei Umbau- und Sanierungsarbeiten aus nicht näher bekannten Gründen mehrere Verpuffungen und Explosionen ereignet haben.

Den ersten Kräften am Einsatzort bietet sich folgendes Bild: Aus dem Gebäude quillt eine Rauch- und Feuersäule, Teile der Bebauung sind eingestürzt, laute Knallgeräusche sind vernehmbar. Auf dem Hof der Schule befinden sich zahlreiche Personen, die zum Teil verletzt oder orientierungslos herumlaufen. Auf dem Dach sind mehrere Personen sichtbar, denen offensichtlich der Rückzugsweg abgeschnitten ist.

Erstmaßnahmen


Der Einsatzleiter veranlasst nach einer ersten Erkundung die Alarmierung weiterer Kräfte der Feuerwehr Babenhausen, vordringlich wird der Gelenkmast zur Menschenrettung angefordert. Wegen der Größe des Einsatzobjektes werden auch weitere Katastrophenschutzeinheiten aus Münster, Gr.-Zimmern und Gr.-Umstadt, sowie je ein Sanitäts- bzw. Betreuungszug von DRK und JUH aus Dieburg alarmiert.

Zur Lageerkundung im Inneren werden sofort zwei Trupps mit Atemschutz in das Gebäude geschickt. Die Rückmeldung ergibt folgendes Bild: Der Eingangsbereich, das Atrium und die vorderen Klassenräume sind stark verraucht, es brennt an vielen Stellen und herumliegende Trümmerteile erschweren die Arbeit der Rettungstrupps.

Bei einer Sichtkontrolle des Außenbereichs entdeckt der Einsatzleiter einige Bauarbeiter auf dem Dach, die durch lautstarke Hilferufe auf sich aufmerksam machen.

Von den in der Folge eintreffenden Fahrzeugen wird die Brandbekämpfung im Außenbereich aufgenommen. Zur Suche von insgesamt 20 vermissten Personen und zu Löscharbeiten im Innenbereich werden weitere Trupps unter Atemschutz in den betroffenen Bereich geschickt.
Mit dem Gelenkmast der Feuerwehr Babenhausen wird die Rettung der auf dem Dach befindlichen Personen eingeleitet.

Lage im Innenbereich


Starke Verrauchung (durch zahlreiche Nebelmaschinen), Trümmerteile, täuschend echte Einsatzgeräusche – Feuerprasseln und weitere Explosionsgeräusche (durch eine Soundanlage), Feuerschein, verklemmte Türen und ein hoher Geräuschpegel (von ausgelösten Rauchmeldern) erwarten die Such- und Rettungstrupps. Die Sicht liegt nahe Null, eine Orientierung ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Grelle Blitze (von Signallampen) sorgen für zusätzliche Belastung und Ablenkung vom eigentlichen Geschehen und erschweren die Situation zusätzlich.
Für all diese Effekte konnte die Pyrotechnik-Gruppe um Holger Kern (Feuerwehr Dieburg) gewonnen werden. Ihnen gelang einmal mehr eine sehr realitätsnahe Einsatzdarstellung.

Die eingesetzten Trupps suchen systematisch alle Räume in dem betroffenen Bereich ab, dazu werden auch 3 Strahlrohre in den Innenbereich mitgenommen, nach und nach werden die Vermissten aus dem Gefahrenbereich gebracht und an den ebenfalls mitalarmierten Rettungsdienst übergeben.
Die äußerst realitätsnahe Darstellung von Verletzungen und die dafür eingesetzten Mimen wurden von einem DRK-Team und von der Feuerwehr Gr.-Bieberau realisiert.

Lage im Außenbereich


Durch die zur Unterstützung alarmierten Katastrophenschutz-Einheiten wird die Wasserversorgung sichergestellt. Hierzu wird sowohl das öffentliche Wassernetz, als auch offenes Gewässer in Anspruch genommen. Dazu müssen z.T. größere Distanzen überbrückt werden. Mit insgesamt 6 Strahlrohren wird das Feuer von außen bekämpft.

Zur Betreuung der Verletzten und zur Erstbehandlung wurde ein Sammelplatz eingerichtet. Aufgrund der ersten Diagnosen erfolgt von hier aus die Koordinierung mit den umliegenden Krankenhäusern und der Einsatz der bereitstehenden Rettungswagen.

Menschenrettung vom Dach


Mehrere Personen (Bauarbeiter) befinden sich auf dem Dach, ihnen ist der Fluchtweg abgeschnitten. Der zur Menschenrettung eingesetzte Gelenkmast der Feuerwehr Babenhausen wurde als Rückzugsweg an der Gebäudefront positioniert, beim Ausfahren versagt aber die Technik. Ein Aufrichten ist nicht möglich, somit fällt diese Rettungsmöglichkeit aus. Da Feuerwehrarbeit immer auch Improvisationstalent erfordert, wird sofort eine alternative Rettungsmöglichkeit geschaffen. Mit tragbaren Leitern gelangen die Einsatzkräfte auf das Dach und können nun die Eingeschlossenen auf diesem Weg retten.

Insgesamt wurden 17 Personen aus dem Gebäudekomplex gerettet für drei Personen kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Ziel der Übung


Das Hauptaugenmerk dieser Übung lag darauf, den Einsatzkräften eine Übung in einer eher ungewohnten Umgebung zu ermöglichen. Denn nur sehr selten kann so realitätsnah in einem Abbruchgebäude mit zahlreichen, unterschiedlichen Gefahrenquellen geübt werden. Das Bewältigen der verschiedenen Einsatzszenarien und die Zusammenarbeit der Kräfte untereinander standen dabei als Ziel der Übung auf dem Programm. Dieses Ziel wurde laut Einsatzleiter Siegfried Kinz
erreicht, alle gestellten Aufgaben wurden gemeistert.

Und so kann ein Zitat aus dem Lateinischen auf diese Übung angewendet werden: „Non scolae, sed vitae discimus“, nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Zwar haben an diesem Tag die Einsatzkräfte nicht die Schulbank gedrückt, der Lernerfolg für das Feuerwehrleben ist aber sehr hoch.

An diesem Wochenende nutzten aber noch weitere Einsatzkräfte das Übungsobjekt. Einheiten des THW erkannten die Vorteile und Möglichkeiten dieses interessanten und nicht alltäglichen Übungsobjektes. Die THW-Übung wurde jedoch unabhängig vom Feuerwehreinsatz durchgeführt.

Eingesetzte Einheiten


Feuerwehr Babenhausen
Katastrophenschutzzug Babenhausen
Katastrophenschutzzug Münster
Feuerwehr Groß-Zimmern
THW Groß-Umstadt
Betreuungszug JUH/DRK Dieburg
Sanitätszug DRK Dieburg

Nach dem Rückbau der eingesetzten Materialen waren alle Beteiligten zum Mittagessen im Stützpunkt Babenhausen eingeladen. Das Küchenteam hatte 240 Portionen Schnitzel mit Kartoffelsalat vorbereitet. Nach der Stärkung und einer kurzen Übungsanalyse wurde für alle Beteiligten das Wochenende eingeläutet.

Weitere Bilder auf den Seiten des Kreisfeuerwehrverbandes [Galerie]


Quelle Text+Bilder:kfv da-di

 

Do. 21.03.2013 11:00 Uhr Alter: 6 Jahre